Hamburger Piratenprozess: Piraten sagen über ihre Motive aus

January 9, 2011 § Leave a comment

[nach Spiegel Online, 9. Januar 2011]
Im Verfahren gegen zehn mutmaßliche Seeräuber haben erstmals zwei angeklagte Somalis vor dem Hamburger Landgericht ausgesagt. Ihre Geständnisse gewährten tiefe Einblicke in die Lebensverhältnisse in dem zerrütteten Land.
Hamburg – Der Angeklagte Hussein Carab M. dankte höflich dem Gericht und den Anwesenden für ihre Aufmerksamkeit, bevor er beschrieb, aus welcher Notlage heraus er sich an der Kaperfahrt beteiligt hatte. Er sei sechs Jahre alt gewesen, als seine Eltern 1992 in den Bürgerkriegswirren von einer Granate getötet worden seien. Noch als Zehnjähriger habe er unter diesem Trauma gelitten. Seither sei er immer auf sich allein gestellt gewesen.
Heute sei er selbst Vater eines Sohnes. Um ihn habe er angesichts der Lebensgefahr, in der sie sich ständig befunden hätten, am meisten Angst gehabt. Ausgerechnet dieser Sohn sei entführt worden, von einem Mann, dem er etwa 1100 Dollar schulde. Mit seinem Anteil vom Lösegeld für Schiff und Besatzung habe er seinen Jungen befreien wollen.
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Geköpft, gehängt, verehrt: Vom Mythos der Piraten

December 29, 2010 § Leave a comment

Von Armin Fischer
Im November 2010, als dieses Buch entsteht, werden vor einem Gericht in Norfolk (US-Staat Virginia) fünf somalische Piraten wegen Seeräuberei schuldig gesprochen. Den Männern droht eine lebenslange Haftstrafe, das Strafmaß soll im März 2011 verkündet werden. Es war der erste Piratenprozess auf US-Territorium seit dem amerikanischen Bürgerkrieg (1861 – 65). Gleichzeitig findet in Hamburg der Prozess gegen zehn mutmaßliche Piraten aus Somalia statt. Hierzulande ist dies der erste Piratenprozess seit dem ausgehenden Mittelalter. Zehn somalische Seeräuber hatten am 5. April, Ostermontag, den deutschen Containerfrachter »MV Taipan« rund 500 Seemeilen vor der Küste ihres Heimatlandes angegriffen und geentert. Wenige Stunden später eilte die holländische Fregatte »Tromp« zu Hilfe, die einen Notruf aufgefangen hatte. Marinesoldaten befreien nach kurzem Schusswechsel das Schiff und nehmen die zehn Männer gefangen. Als Beweismittel sichern die Holländer fünf AK 47 (Kalaschnikow), zwei Raketenwerfer, große Mengen an Munition und zwei Enterleitern sowie Enterhaken. Das ist die Realität.

Und die Fiktion: Am vierten Teil dies Film »Fluch der Karibik« wird gedreht und er kommt voraussichtlich am 20. Juni 2011 in die deutschen Kinos. Johnny Depp spielt darin wieder den schusslig-schlauen Käpt´n Jack Sparrow, einen Helden und Obergauner der Karibik. Und ein »echter Pirat«, der berüchtigte Edward Teach (1680 – 1718), genannt Blackbeard, stand Pate für Jack Sparrows Filmrivalen.

Die Piraterie lebt, in der Realität und im Kino, und ist heute, so scheint es, präsent wie schon lange nicht mehr. « Read the rest of this entry »

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