Das Buch

December 28, 2010 § Leave a comment

Das erste und gleichzeitig prägendste Piraten-Buch aller Zeiten wurde erstmals 1678 im holländischen Original unter dem Titel »De Americaensche Zee-Rovers« in Amsterdam veröffentlicht. Es zeichnet sich durch eine klare, schnörkellose Sprache, einen enormen Faktenreichtum und präzise Detailbeschreibung aus. Aus diesen Gründen, und weil es schlichtweg das erste Buch war, das Normalsterblichen einen Einblick in die Welt der Piraten gab, wurde es schnell zum Bestseller und in alle wichtigen europäischen Sprachen übersetzt. Bis heute hat es das Bild des Piraten im allgemeinen Bewusstsein, Literatur, später Film und Populärkultur am nachhaltigsten beeinflusst. Die hier vorliegende Ausgabe geht auf die 1684 erschienene erste englische Auflage zurück, wurde nur leicht überarbeitet und ist dennoch außerordentlich gut lesbar.

Exquemelins Bericht ist eine große Reportage aus einer anderen Sphäre – eine eigentlich journalistische Leistung. Über die Jahre hinweg haben viele, bezeichnenderweise oft aus dem Journalismus kommende Autoren, das Thema neu aufgegriffen. Um nur einige zu nennen: Daniel Defoe, Robert Louis Stevenson, Jack London, Anfang des 20. Jahrhunderts zum Beispiel Philip Gosse, Claud Lovat Fraser und George Alfred Williams (die letzten beiden Illustratoren), und in der Jetztzeit etwa David Cordingly oder James Hamilton-Paterson, von dem auch das Begleitwort für diese neue Auflage stammt. Daniel Defoe wurde lange Zeit das, neben Exquemelins Buch, zweite grundlegende Piratenwerk zugerechnet, das 1724 unter dem Autorennamen Captain Charles Johnson erschienene »A General History of the Robberies and Murders of the Most Notorious Pirates«. Neuere literaturhistorische Untersuchungen bestreiten das allerdings wieder.

Angesichts des großen Einflusses ist die Bedeutung von Exquemelins Buch kaum zu überschätzen. Es löste aber bereits kurz nach Erscheinen der englischen Ausgabe 1684 den vermutlich ersten »Medienprozess« aller Zeiten aus. Dem Piraten Henry Morgan gefielen nämlich, nachdem er als «Sir Henry Morgan« Vizegouverneur von Jamaica geworden war, Exquemelins Schilderungen seiner Plünderzüge und Mordtaten nicht mehr. Er klagte gegen die beiden englischen Verleger, setzte eine Entschädigung von 200 Pfund Sterling durch, und eine neue, schöngefärbte Auflage mit dem Titel: »Die Geschichte der Bukaniere; ein unparteiischer Bericht aller Schlachten, Belagerungen und anderer überaus wichtiger Angriffe, die mehrere Jahre lang auf die Küsten der Karibik von Seiten der Piraten von Jamaica und Tortuga stattgefunden haben, Genauer noch die unvergleichlichen Leistungen von Sir Henry Morgan. Gründlich befreit von den Fehlern des Originals …« Morgans Versuch musste scheitern. Exquemelins Original verbreitete sich in unzähligen Versionen. Über Jahrhunderte wurde es immer wieder als erste, authentische Quelle ausfindig gemacht, wenn es um das Thema Piraterie ging. Der Text überzeugt bis heute durch seine schnörkellose Sprache und detailgetreue Darstellung.

Im Lauf der Zeit hat Exquemelins Buch viele Abwandlungen erlebt, es existieren Ausgaben mit einer Aufteilung in drei Teile, manchmal auch vier. Oder, wie in unserer Form, ganz ohne Aufteilung oberhalb der Kapitel. Die von uns verwendete, von George Alfred Williams editierte Ausgabe, die 1914 in New York erschien, kommt dem Original so nah wie möglich. Wir ziehen diesen klaren und präzisen Text den oft manierierten und überladenen deutschen Exquemelin-Übersetzungen vor. Unsere deutsch-englische Edition steht als vorläufig letzte in der langen Reihe der Wiederveröffentlichungen, und befindet sich somit in bester Gesellschaft. Armin Fischer

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