Piraten in Somalia: "Früher waren wir ehrliche Fischer"

December 7, 2008 § Leave a comment

[nach Stern.de]
Erst wehrten sie sich nur gegen fremde Fangflotten in ihren Gewässern, dann wurde aus dem Widerstand ein Millionengeschäft. In Somalia gelten die Piraten als Volkshelden. Die ganze Küste profitiert von ihrem plötzlichen Reichtum. Von Tilman Müller, Manon Querouil, Joachim Rienhardt

Ein paar herrenlose Kamele sind in der kargen Steinwüste zu sehen. Ab und zu bewaffnete Gestalten am Rande der holperigen Piste. Nach stundenlanger Fahrt durch das Niemandsland taucht in der Ferne blassgrün der Indische Ozean auf. Und etwas später, in der flirrenden Mittagshitze, sind die Umrisse großer Frachtschiffe auf dem Meer erkennbar. Am Strand, nicht weit vom somalischen Küstenort Hobyo, wartet ein Kleinlaster. Auf der Ladefläche dunkelhäutige Männer mit Maschinengewehren und umgeschnallten Patronengürteln. Ihr Anführer hat ein altes Sweatshirt wie einen Turban um seinen Kopf gewickelt, an seiner Schulter hängt eine verrostete Panzerfaust des Typs RPG-7. Er heißt Abdullah Hassan und ist 39 Jahre alt. “Früher waren wir ehrliche Fischer, aber seit Fremde unsere Meere leer fischen, müssen wir nach anderen Wegen suchen, um zu überleben”, sagt der Mann. Er ist Chef einer Bande, die sich “Küstenwache” nennt und aus 350 ehemaligen Fischern und Milizsoldaten besteht.

Hassan blickt stolz hinaus aufs Meer. Von hier aus ist deutlich der ukrainische Frachter “Faina” zu sehen, den er gemeinsam mit einer anderen Piratenbande auf hoher See gekapert und an diesen verlassenen Küstenort am Horn von Afrika dirigiert hat. “Das Geheimnis eines erfolgreichen Überfalls”, sagt er, “ist die Geschwindigkeit.” Bei ihm gehe immer alles ohne Blutvergießen ab. Das sei Ehrensache für alle Piraten Somalias. Nur wenige Seemeilen von der “Faina” entfernt liegt der Supertanker “Sirius Star”. 330 Meter lang, beladen mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar, die wertvollste Beute, die Seeräuber seit Menschengedenken gemacht haben. Sie fordern 15 Millionen Dollar Lösegeld für das erst im März vom Stapel gelaufene Riesenschiff. Die Entführung der “Sirius Star” ist weltweit zum Symbol einer bislang ungeahnten Gefahr durch See-Terroristen geworden. Sie bedrohen die wichtigste, durch den Suezkanal führende Handelsroute zwischen Asien und dem Westen, blockieren lebensnotwendige Hilfslieferungen an Hungernde in Afrika und drohen sogar damit, den Tanker zu sprengen und eine Ökokatastrophe ungekannten Ausmaßes anzurichten.

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